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Chronik
Bei
einem Schlepper interessieren meist nur Daten wie Bauzeitraum und
Stückzahl. Das sind allerdings nur Eckdaten, da diese an sich
nur sehr wenig über den Einachser selbst aussagen. Es bleiben
Fragen offen, etwa die, warum im E9 zwei fast identische Motoren
verbaut wurden. Da man nur sehr schwer an solche Daten kommen kann,
habe ich mal genauer nach- geforscht. Und was in den
mittlerweile drei Jahren Recherchearbeit herausgekommen ist,
könnt Ihr hier
nun nachlesen.
Allerdings fehlen mir noch einige Stückzahlen
(Baujahr/Fahrgestell-Nr.), und die Erscheinungsjahre der
Motoren/Anbaugeräte, so dass ich Jahres- und
Stückzahlen zur Zeit oft nur grob wiedergeben kann.
Erschwerend kommt noch hinzu, dass die ersten Modelle bis 1979 kein Bj.
eingestanzt haben.
Seit den 60ern wurde es immer schwieriger gute Absatzzahlen zu
erreichen, da sich der Markt mittlerweile gesättigt hatte.
Allerdings traf das nicht für den E6 zu, der sich seit der
Markteinführung 1959 gut verkaufen ließ. Das
lag wohl auch daran, dass er immer wieder verbessert wurde und nun
schon seit fast zwei Jahrzehnten im Programm war. Aber die
Technik entwickelte sich immer schneller weiter, so dass er
nicht mehr auf der Höhe der damaligen Zeit lag, was Holder
dazu bewegte ihn komplett zu überholen. Besonderes
Augenmerk wurde dabei auf die Sparsamkeit gelegt, da seit der
Ölkrise 1973 der Kraftstoffpreis ständig stieg.
Um
sich also auf dem hart umkämpften Schleppermarkt behaupten zu
können, musste die überarbeitete Version modern und
wirtschaftlich
sein. Eben die von den Kunden so geschätzte
"Holder-Qualität".
Aber aus Kostengründen wurde von einer kompletten
Neukonstruktion abgesehen, da der E6 nämlich mittlerweile ein
beliebter
Kleinschlepper geworden war und man dessen
Anbaugeräte so auch gleich weiter verwenden konnte.
Zusätzlich
wollte Holder einen Einachser nicht nur für die
untere,
sondern auch für die obere Leistungsklasse anbieten. So
entstand ca. Ende 1974 ein
Getriebe, an das zwei unterschiedlich starke Motoren angeflanscht
werden konnten:
- Der E7 mit dem 6 PS 4-Takt Intermotor LA 300 (Lizenz Lombardini).
- Der E9 mit dem 8,5 PS 2-Takt Fichtel & Sachs Stamo 203.
Der E7 war als direkter Nachfolger des E6 gedacht, der E9, auch als
„Profigerät“ bezeichnet, deckte den oberen
Leistungs- bereich ab.
Da F&S aber keine direkten 9 PS Motoren mehr fertigte, wurde
einfach die Höchstdrehzahl des Stamo 203 von 3.000 auf 4.500
U/min erhöht. Daher musste das Getriebe gedrosselt werden, um
wieder auf 20 km/h zu kommen. Das Leergewicht war auch um ca. 40 kg
erhöht worden, um so eine bessere Traktion zu erreichen. Sonst
gab es kaum nennenswerte Änderungen, lediglich die nach UVV
(Unfall-Verhütungs-Vorschriften)
Bestimmungen eingebaute Zapfwellen- sperre kam neu
hinzu. Somit konnte nun bei eingeschalteter Zapfwelle nicht in den
Rückwärtsgang geschaltet oder im
Rückwärtsgang
(dabei ist der Holm zur Anhängerfahrt geschwenkt) die
Zapfwelle nicht einschaltet werden.
Nur das Schlepperdesign und die Holme wurden dem modernen Stiel
entsprechend
geändert.
Auffallend ist die komplette, dreiteilige Motorhaube
und natürlich die Kommunal-Lackierung in
orange-elfenbein.
Die Schwenkung des Hauptholmes um 180° mit nur einem einzigen
Hebel war nun
sehr
bedienerfreundlich gestaltet. Lediglich das neue Schaltschema verwirrt
auf den ersten Blick. Am rechten Holm war für mehr Sicherheit
nun auch ein mittlerweile vorgeschriebener Not-Stopp Schalter
angebracht.
Der E7
und E9 waren allerdings vom Konzept her keine reinen "Ackerschlepper"
mehr, was nicht nur die neue Kommunal-
Lackierung verdeutlicht.
Diese wurden nun nicht mehr einzeln angeboten,
sondern
in das Produkt-Programm
"Motorhacken-
Motormäher-Vielzweckgeräte-Einachsschlepper"
integriert. Neben den üblichen
Einsatzgebieten wie z. B. Wein-, Obst- und Gartenbau, wurden diese auch
extra für Kommunal- und Industriebetriebe angeboten und dabei
z. B.
speziell auf das Wintergeräteprogramm (vier
Anbaugeräte umfassend) hingewiesen.
Da die Anbaugeräte quasi 1:1 weiterverwendet wurden, war hier
lediglich die orange Lackierung neu. Weitere Geräte kamen kaum
welche dazu, man versuchte eher die schon vorhandenen zu verbessern.
Das
gelang
bei der Fräse sehr gut. Anfangs wurde diese noch in der
E6-Ausführung geliefert, gegen Ende der 70er kam dann eine
neue, eckige Version heraus. Das Besondere an diesem Typ war, dass die
Fräshaube in drei Teile demontierbar war. So musste man nur
einen Haubensatz bestellen und konnte diesen dann fast beliebig
verbreitern
oder
verkürzen. Holder stellte daher auch
entsprechende Umrüstsätze zur
Verfügung. Nur die
Tiefenverstellung der Haube war nicht neu, sondern wurde vom
E8 übernommen.
Damit aber nicht genug, gab es noch
ein
Zwischengetriebe dazu, welches ein
angenehmes
Tieffräsen auch bei großer Bereifung bietete.
Später
war dieses standardmäßig an der Fräse
vorhanden.
1975 kostete der E7 3.751,80 DM (1.8759,90 €) und der E9
4.018,20 DM (2.009,10 €). Die Kunden allerdings hielten noch
an Bewährtem, also dem E6 fest, so dass dieser noch
für eine kurze Zeit zugleich mit dem E7 produziert wurde.
Daher verließen Ende 1975 vom E7 gerade mal ca. 100
Stück die Werkshallen, während es beim E9 schon ca.
1.000
Stück waren.
Holder versuchte den neuen Einachser so gut es ging individuell
auszurüsten, um ihn den unterschiedlichsten Situationen
anzupassen. So konnten die Kunden mittlerweile etwa zwischen
fünf
verschiedenen Reifengrößen wählen. Darunter
auch die 6-9 AS Bereifung mit Klappgreifern.
Das gleiche galt für die Motoren. Während beim E7
allerdings - warum auch immer - nur eine Motorvariante zur
Verfügung stand, konnte
man nur ein paar Jahre später für den E9
zusätzlich einen Lombardini 4-Takt Diesel bestellen, kurz
darauf auch noch einen Intermotor (Lizenz Lombardini)
4-Takt Benziner. Der Diesel hatte allerdings den Nachteil,
dass er rund ca. 1.300 DM (650 €) teuerer war und sich die
Sparsamkeit besonders für kleinere Betriebe dadurch nicht
auszahlte.
Interessanterweise waren die Kunden aber von den beiden neuen Motoren
nicht sehr
angetan und setzten mehr auf den heimischen F&S
2-Takt Motor.
Der Stamo
203 wurde aufgrund der Produktpflege schon nach kurzer Zeit durch den
neuen Stamo 251 ersetzt, der nun volle
9 PS bei 4.500 U/min lieferte. Auch wurde der 4-Takt Intermotor 1984
aus dem Programm genommen. Und das, obwohl er zeitweise
billiger war als der F&S 2-Takter.
Der E9 verkaufte sich mit ca. 700
Stück/Jahr recht gut. Allerdings nur
bis 1981. Dann
brachen die Verkaufszahlen drastisch ein, auf nur noch ca. 150
Stück/Jahr. Der Grund könnte die
neue Produktpolitik von Holder gewesen sein. Denn Anfang der 80er kamen
weitere Einachser dazu, u. a. der E200 mit 6 PS und E300B/E300D mit 9
PS.
Das hatte zur Folge, dass von beiden Schleppern nicht allzu viele
gebaut wurden. Bis
1990/91
wurden daher vom E7 nur ca. 4.200 und vom E9 6.200
Stück verkauft. Dass vom E7 nur sehr wenige gebaut wurden,
könnte wohl auch daran liegen, dass er bereits Ende der 70er
aus der Literatur fast spurlos verschwand.
Nur die
Preislisten-Überschrift "Einachsschlepper E6 - E7 - E9"
deutet darauf hin, dass er noch gebaut wurde - und das deren Anbaugeräte weiterhin für den E6 bestellt werden konnten.
1992 stieg Holder aus Kostengründen aus der
Kleingeräte- und
Einachsersparte aus und konzentrierte sich mehr auf den Pflanzenschutz
und das Knickschlepperprogramm. Die Restposten sowie die
weitere Ersatzteilversorgung wurde an die neue Handelsgesellschaft
"eurosystems
Motorgeräte Deutschland" abgetreten.
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Ein
Blick zurück...
Auszug
aus Max Holders "Mein Schlepperbuch" von 1955: "Auch der E5, der
jüngste und kleinste der Holder - Schlepper, wird, dessen bin
ich gewiß, seinen Weg gehen." - Nun, der E5 selbst war nicht
wirklich erfolgreich. Aber für das, was nach ihm kam, bildete
er die Grundlage.
1955 stellte Holder den E5 vor, einen kleinen und leichten
Einachsschlepper, der besonders für Klein- und Nebenerwerbs-
landwirte gedacht war. Mit dem 7-Gang Getriebe und dem 5 PS F&S
Motor war er
sowohl für Gartenarbeiten als auch mit bis zu 20 km/h als
flinker Transporter gut geeignet. Außerdem konnten die
Anbaugeräte schnell und
einfach montiert werden. Anfangs besaß er aber nur eine
starre Achse, die Einzelradlenkung kam zwei Jahre später.
Eigentlich
zu spät, denn schon 1959 wurde er durch den verbesserten E6
abgelöst.
Gebaut wurden nur ca. 4.100 Stück. Es hätten bestimmt
auch mehr gebaut werden können.
Der E6 entsprach der damals neuesten Technik und wurde auch in den
Folgejahren kontinuierlich weiterentwickelt. Ebenso besaß er
mittlerweile eine sehr große Anbaugerätereihe, die
mindestens 30
verschiedene Arbeiten zuließ. Durch diese guten
Vorraussetzungen und der steigenden Beliebtheit blieb er
ganze
16 Jahre im Verkaufsprogramm und brachte es somit auf aufgerundete
20.000
Stück.
Aus dem E6 wurde 1961 der mittelschwere E8 konstruiert. Für
einen Einachser dieser Größe besaß er sehr
viel Komfort, auch eine wegabhängige Zapfwelle war dabei.
Ebenso standen drei Motoren zur Auswahl. Durch das gute
Verhältnis von Stärke und Gewicht fand er besonders
in den Niederlanden und Norddeutschland Abnehmer. Es waren aber auch
die
einzigsten. Bis 1971 wurden gerade mal ca. 2.000 Stück
verkauft.
Durch den E8 inspiriert, entstand 1962 eine Cultitrac-Version, der
A8. Die sehr schmale Bauweise, der niedrige Schwerpunkt sowie 8
verschiedene
Zapfwellendrehzahlen waren seine besonderen Merkmale. Leider waren die
Entwicklungskosten zu
hoch, so dass eher zu den stärkeren Knickschleppern
gegriffen
wurde. Allerdings blieb er als Spezial-Kleinschlepper noch bis Anfang
der 70er im Programm. Und
gerade diese Kompaktheit und die ca. 400 gebauten Exemplare
machen ihn zu einem heute sehr begehrtem Sammelobjekt.
1974 kam schließlich die modere Version des E6 auf den Markt,
der E7 und E9. Deren niedrige VK-Zahlen kann man aber nicht unbedingt
als Flop bezeichnen, wenn man die damals angespannte Lage auf dem
Traktorenmarkt hinzurechnet.
Wenn man es so betrachtet: Min. 35 Jahre Bauzeit, 6 verschiedenen
Typen, ca. 37.000 gebaute Schlepper - Dann kann man also wirklich
sagen, "Der E5 ging seinen Weg".
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